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    <title>Smartphones on </title>
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    <description>Recent content in Smartphones on </description>
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    <lastBuildDate>Sun, 09 Aug 2026 00:00:00 +0000</lastBuildDate><atom:link href="https://daswarschonkaputt.de/tags/smartphones/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml" />
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      <title>1984 ist heute</title>
      <link>https://daswarschonkaputt.de/blog/1984/</link>
      <pubDate>Sun, 09 Aug 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
      
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      <description>&lt;h1 id=&#34;die-architektur-der-kontrolle-wie-science-fiction-zur-gegenwart-wurde&#34;&gt;Die Architektur der Kontrolle: Wie Science-Fiction zur Gegenwart wurde&lt;/h1&gt;
&lt;p&gt;Es gibt einen Moment, in dem eine Warnung aufhört, Fiktion zu sein, und anfängt, Beschreibung der Gegenwart zu werden. Wer heute William Gibsons Kurzgeschichte &amp;ldquo;Johnny Mnemonic&amp;rdquo;, Philip K. Dicks paranoide Romane oder George Orwells &amp;ldquo;1984&amp;rdquo;, liest sind diese Dystopischen Geschichten, die in einer Zeit erdacht wurden in der es weder Internet noch Smartphones gab, längst keine Prophezeiung mehr. Man liest eine Bauanleitung, die längst umgesetzt wurde – nur ohne Datenkurier mit Chip im Schädel, dafür mit Smartphone in der Hosentasche.&lt;/p&gt;</description>
      <content>&lt;h1 id=&#34;die-architektur-der-kontrolle-wie-science-fiction-zur-gegenwart-wurde&#34;&gt;Die Architektur der Kontrolle: Wie Science-Fiction zur Gegenwart wurde&lt;/h1&gt;
&lt;p&gt;Es gibt einen Moment, in dem eine Warnung aufhört, Fiktion zu sein, und anfängt, Beschreibung der Gegenwart zu werden. Wer heute William Gibsons Kurzgeschichte &amp;ldquo;Johnny Mnemonic&amp;rdquo;, Philip K. Dicks paranoide Romane oder George Orwells &amp;ldquo;1984&amp;rdquo;, liest sind diese Dystopischen Geschichten, die in einer Zeit erdacht wurden in der es weder Internet noch Smartphones gab, längst keine Prophezeiung mehr. Man liest eine Bauanleitung, die längst umgesetzt wurde – nur ohne Datenkurier mit Chip im Schädel, dafür mit Smartphone in der Hosentasche.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;der-körper-als-datenträger-der-konzern-als-souverän&#34;&gt;Der Körper als Datenträger, der Konzern als Souverän&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;In &amp;ldquo;Johnny Mnemonic&amp;rdquo; (1981) schmuggelt ein Kurier Daten in einem Implantat in seinem eigenen Gehirn, weil die Welt, die Gibson entwirft, von Megakonzernen beherrscht wird, gegen die Nationalstaaten zu Randfiguren verkommen sind. Informationen sind die eigentliche Ware, wertvoller als Waffen oder Öl, und wer sie kontrolliert, kontrolliert alles andere gleich mit. Gibsons Cyberpunk-Welt kennt keine Bürger mehr im klassischen Sinne, nur noch Datenpunkte, Kunden und Verwertbare Waren. Der menschliche Körper selbst wird zur Infrastruktur des Datenverkehrs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das war 1981 eine literarische Zuspitzung. Heute ist es eine technisch nüchterne Beschreibung dessen, was mit jedem Smartphone passiert, das in der Tasche steckt: Der Körper bewegt sich durch die Stadt, und ein GPS-Chip schreibt diese Bewegung fortlaufend mit – nicht für einen Auftraggeber im Cyberpunk-Roman, sondern für einen Werbenetzwerk-Konzern im heute und jetzt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;philip-k-dick-die-frage-wer-die-realität-definiert&#34;&gt;Philip K. Dick: Die Frage, wer die Realität definiert&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Bei Philip K. Dick geht es selten nur um Überwachung, sondern um die tiefere Verunsicherung: Wer entscheidet, was real ist, wer ein Mensch ist, wer verdächtig ist? In &amp;ldquo;Minority Report&amp;rdquo; werden Menschen verhaftet, bevor sie eine Tat begangen haben, auf Basis einer Vorhersage, die niemand mehr hinterfragt, weil das System als unfehlbar gilt. Dicks Paranoia war nie nur individuell gemeint – sie war ein Kommentar auf Institutionen, die sich anmaßen, in die Zukunft von Menschen hineinzuregieren, ausgestattet mit einer Autorität, die sie sich selbst gegeben haben.
Predictive Policing ist heute kein Gedankenexperiment mehr. Software, die aus Datenbeständen Verdachtsmomente errechnet und Ermittlungsbehörden Handlungsempfehlungen gibt, ist in mehreren deutschen Bundesländern im Einsatz, der Hersteller Palantier, hat somit schon mehr Macht als jeder Staat haben sollte, mal ganz davon abgesehen, dass sich Strafverfolgungsbehörden derzeit von Palantier Produkten abhängig machen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-sprache-der-sicherheit&#34;&gt;Die Sprache der Sicherheit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Und dann Orwell. &amp;ldquo;1984&amp;rdquo; hat der Nachwelt ein Vokabular hinterlassen, das man fast reflexhaft bemüht, wenn Überwachung zum Thema wird – Big Brother, Neusprech, Gedankenverbrechen. Der eigentliche Kern des Romans ist aber weniger die Technik der Teleschirme als die Beobachtung, dass ein Staat, der seine Bürger lückenlos beobachten kann, die Sprache selbst umformt: Sicherheit wird zum Argument für jede Machtausweitung, Kontrolle wird als Fürsorge verkauft. Genau diese sprachliche Verschiebung lässt sich in der deutschen Sicherheitsdebatte der letzten Jahre beobachten, wenn von &amp;ldquo;automatisierter Datenanalyse&amp;rdquo; die Rede ist statt von Rasterfahndung, von &amp;ldquo;KI-gestützter Ermittlungsarbeit&amp;rdquo; statt von Big-Data-Überwachung. Nach jedem Terror Anschlag, werden die Rufe nach mehr Überwachung und Datenspeicherung lauter, aber neue Terror Anschläge verhindern die Maßnahmen schlussendlich dennoch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-databroker-files-der-cyberpunk-alptraum-als-exceltabelle&#34;&gt;Die Databroker Files: Der Cyberpunk-Alptraum als Exceltabelle&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Was bei Gibson noch als düstere Fiktion daherkam, ist bei netzpolitik.org und dem Bayerischen Rundfunk zu einem nüchternen Datensatz geworden. &lt;a href=&#34;https://netzpolitik.org/databroker-files/&#34; target=&#34;_blank&#34;&gt;
  Den Journalist:innen liegen 3,6 Milliarden Standortdaten aus Deutschland vor
&lt;/a&gt;
, die rund 11 Millionen verschiedene Geräte-Kennungen umfassen und einen Zeitraum von etwa zwei Monaten Ende 2023 abdecken. Diese Daten zeigen Bewegungsprofile von Millionen Menschen und lassen Rückschlüsse darauf zu, wo sie arbeiten, wohnen, einkaufen, ob sie ins Krankenhaus, in die Kita oder ins Bordell fahren. Die Recherche konnte mehrere Personen eindeutig identifizieren, weil sich Wohnadresse und Arbeitsplatz mit ein wenig Online-Recherche zuordnen ließen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Datensatz stammt von einem Datenhändler mit Sitz in Florida und wurde als kostenlose Kostprobe für ein Abonnement angeboten, das für rund 14.000 US-Dollar einen nahezu in Echtzeit laufenden Strom von Standortdaten von Millionen Smartphones weltweit verspricht. Vermittelt wurde der Kontakt über einen aus Berlin betriebenen Datenmarktplatz – nicht irgendwo in einer rechtsfreien Zone, sondern mitten in Deutschland.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Brisant wird das Ganze durch die Zielgruppe: Der Datensatz enthält Bewegungsprofile von Menschen, die erkennbar für Bundesministerien, Bundeswehr, Sicherheitsbehörden und Geheimdienste arbeiten, darunter eine Person in hoher Position eines Bundesministeriums für Sicherheitsfragen sowie eine Person eines deutschen Geheimdienstes, dazu Bewegungsprofile an Standorten, an denen auch NSA-Agent:innen verkehren sollen. Genau dieses Szenario – dass ausländische Mächte über den freien Markt an sicherheitsrelevante Bewegungsdaten gelangen – ist die Spionage-Dystopie, die Gibson sich für seine Konzernwelten ausgedacht hat, nur ganz ohne Cyberspace-Ästhetik, sondern als App-Berechtigung, die im Kleingedruckten steht. Den dazu nötigen &amp;ldquo;Teleschirm&amp;rdquo; führt jeder Mensch freiwillig mit sich herum.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;warum-die-app-und-nicht-die-webseite-das-eigentliche-geschäftsmodell&#34;&gt;Warum die App und nicht die Webseite? Das eigentliche Geschäftsmodell&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;An dieser Stelle lohnt sich ein genauerer Blick auf den Mechanismus, der diesen Datenhandel überhaupt erst füttert – und der im Alltag banal wirkt: die App-Installation. Fast jeder Dienst, der auch problemlos im mobilen Browser funktionieren würde, drängt seine Nutzer:innen mit Bannern, Pop-ups und eingeschränkter Funktionalität dazu, stattdessen die eigene App zu installieren. Das ist kein Zufall und auch keine reine Komfortfrage, sondern die technische Voraussetzung für das eigentliche Geschäft im Hintergrund.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Webseite im Browser hat nur eingeschränkten, meist einmalig abgefragten Zugriff auf den Standort und lebt in einer relativ abgeschotteten &amp;ldquo;Sandbox&amp;rdquo;. Eine installierte App dagegen kann sich – nach einmaliger, oft beiläufig erteilter Berechtigung – dauerhaft und auch im Hintergrund GPS-Koordinaten holen, verknüpft mit einer sogenannten Mobile Advertising ID (MAID), einer geräteeigenen Kennung, die wie ein digitales Nummernschild funktioniert und Nutzer:innen über Monate hinweg eindeutig wiedererkennbar macht. In der App stecken zudem meist mehrere Werbe- und Analyse-SDKs Dritter, kleine Softwarebausteine, die im Hintergrund automatisch Standort, Gerätedaten und Nutzungsverhalten an eigene Server senden – unabhängig davon, ob die eigentliche App-Funktion überhaupt einen Standortbezug hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau das zeigt die Folgerecherche von netzpolitik.org und dem BR aus dem Jahr 2025: Ein neuer Datensatz mit 380 Millionen Standortdaten aus 137 Ländern, gespeist aus rund 40.000 Apps, betraf allein in Deutschland rund 800.000 Menschen. Besonders präzise, metergenaue Standortdaten stammten dabei ausgerechnet aus Apps, die mit Standortbezug auf den ersten Blick wenig zu tun haben: &lt;strong&gt;WetterOnline, Kleinanzeigen, FlightRadar24 und Focus Online&lt;/strong&gt;. Die Wetter-App braucht den Standort plausibel für die lokale Vorhersage, Kleinanzeigen für die Umkreissuche – doch was als Funktion verkauft wird, ist zugleich der Zugriffspunkt für ein weit größeres Geschäft: Bei WetterOnline etwa listen die Datenschutzbestimmungen mehr als 800 Firmen, mit denen Nutzerdaten geteilt werden, teils mit Sitz außerhalb der EU, etwa in den USA, Hongkong oder Singapur. Eine Analyse der Kleinanzeigen-App durch den Datenschutzexperten Mike Kuketz fand eine Liste von 342 Dienstleistern und Partnern, durch die sich Nutzer:innen erst durchklicken müssen, um der Datenweitergabe zu widersprechen – und selbst dann bleibt die Kommunikation mit einzelnen Werbepartnern teils aktiv.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Muster dahinter ist simpel und genau deshalb so wirksam: Die App-Funktion ist der Vorwand, die Dauerberechtigung ist das eigentliche Produkt. Ein Wetterdienst verkauft nicht in erster Linie Wetterdaten, sondern verdient über eingebundene Werbenetzwerke am Standort seiner Nutzer:innen mit – jedes Mal, wenn im Hintergrund eine Werbeanzeige in Echtzeit versteigert wird (Real-Time Bidding), fließen Gerätekennung und Standort an Dutzende Bieter gleichzeitig, weit über die eigentliche Werbefirma hinaus. Ob und wie genau die Daten am Ende bei einem Datenhändler landen, lässt sich von außen kaum lückenlos nachvollziehen – die betroffenen Unternehmen bestreiten in der Regel jede direkte Geschäftsbeziehung zu den Datenhändlern, während die Daten trotzdem nachweislich in deren Beständen auftauchen. Genau diese Unklarheit, dieses bewusst unübersichtliche Geflecht aus SDK-Anbietern, Werbebörsen und Datenmarktplätzen, ist selbst Teil des Geschäftsmodells: Niemand ist konkret verantwortlich, weil die Verantwortung über Dutzende Zwischenstationen verteilt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist die stille, alltägliche Version von Gibsons Konzernherrschaft: kein Kurier mit Implantat im Kopf, sondern ein Smartphone, mit App die freiwillig heruntergeladen wurde, weil &amp;ldquo;die App einfach praktischer sei&amp;rdquo; – und das dafür pausenlos ein Datenprotokoll des eigenen Lebens verkauft, an Käufer, die niemand kennt, und deren Firmennamen ständig wechseln oder fusionieren und für Zwecke, die niemand kontrolliert.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;wenn-der-staat-sich-die-dicksche-vorhersage-maschine-kauft&#34;&gt;Wenn der Staat sich die Dick&amp;rsquo;sche Vorhersage-Maschine kauft&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Während der Datenhandel im Hintergrund läuft, hat sich in der deutschen Polizeilandschaft in den letzten Jahren ein zweites, direkteres Kapitel dieser Dystopie geöffnet: der Einsatz der Analysesoftware des US-Konzerns Palantir. Die Software, in Bayern intern unter dem Namen VeRA bekannt, erlaubt es Ermittler:innen, Informationen aus zahlreichen Polizeisystemen und Dienststellen zusammenzuführen, statt sie mühsam einzeln zusammentragen zu müssen. Nach Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben inzwischen auch Berlin und Baden-Württemberg entsprechende automatisierte Datenanalysen für ihre Polizeibehörden erlaubt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Palantir wurde 2003 von Peter Thiel mitgegründet, ist eng mit der US-Regierung verflochten und benannt nach den &amp;ldquo;Palantíri&amp;rdquo;, den allsehenden Kristallkugeln aus Tolkiens &amp;ldquo;Der Herr der Ringe&amp;rdquo; – ein Name, der sich selbst kaum ironiefreier hätte wählen lassen, denn auch die &amp;ldquo;Palantíri&amp;rdquo; werden im Roman als Warnung, und nicht als Anleitung verstanden. Weil das Unternehmen dem US-Recht unterliegt, könnten laut US-Cloud-Act amerikanische Behörden im Zweifel Zugriff auf die in Deutschland verarbeiteten Polizeidaten verlangen. Bundesinnenminister Dobrindt hält trotz erheblicher Kritik am Einsatz von Palantir-Software fest, während eine taz-Recherche zeigt, dass er damit unter den Innenministerien der Bundesländer inzwischen fast allein dasteht – mehrere Länder wie Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein lehnen den Einsatz explizit ab oder kommentieren ihn demonstrativ nicht. Für Bundesbehörden konnte der Einsatz der Palantir-Software &amp;ldquo;Gotham&amp;rdquo; nach öffentlichem Druck vorerst gestoppt werden, doch der grundsätzliche Kurs, Sicherheitsbehörden weitreichende neue Befugnisse zur automatisierten Datenanalyse über Datenbanken hinweg einzuräumen, bleibt bestehen.
Das ist die Dick&amp;rsquo;sche Dystopie in Reinform: ein System, das aus riesigen Datenmengen Verdachtsmomente errechnet, dem eine wachsende Autorität zugeschrieben wird, während die Frage, wer die Ergebnisse überprüft und wer für Fehler haftet, im Hintergrund verschwindet.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;wenn-die-infrastruktur-bereitsteht-bevor-die-mehrheit-sie-fordert&#34;&gt;Wenn die Infrastruktur bereitsteht, bevor die Mehrheit sie fordert&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;All das entsteht nicht im luftleeren Raum. Es entsteht in einer Zeit, in der die AfD in bundesweiten Umfragen seit Monaten stabil vor der Union liegt, zeitweise mit Werten um 27 bis 28 Prozent, und in einzelnen ostdeutschen Bundesländern noch deutlich höher. Eine Mehrheit der Befragten im Politbarometer sieht in der Partei ausdrücklich eine Gefahr für die Demokratie und trotzdem wächst ihr Zuspruch weiter, begünstigt durch wirtschaftliche Verunsicherung und das Gefühl vieler Menschen, dass keine der etablierten Parteien überzeugende Antworten liefert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist der Punkt, an dem die einzelnen Fäden: Gibsons Konzernherrschaft, Dicks Vorhersage-Apparate, Orwells Sprachpolitik der Sicherheit, die realen Databroker Files, die reale Palantir-Infrastruktur, sich zu einem Bild verdichten, das keiner der Autoren einzeln vorausgesehen hat, das ihre Werke zusammengenommen aber sehr genau umreißen: Eine Überwachungsinfrastruktur wird nicht von einer autoritären Bewegung erfunden, um an die Macht zu kommen. Sie wird von demokratisch gewählten Regierungen, von privatwirtschaftlichen Datenhändlern und von Sicherheitsbehörden aufgebaut, mit guten Absichten und im Namen der öffentlichen Sicherheit, Jahre bevor irgendjemand mit offen autoritären Ambitionen die Hand danach ausstreckt. Das ist in Deutschland nicht neu und erinnert an die dunkelste Vergangenheit Deutschlands, als die Nazis zielgerichtet erhobene Daten, aus Volkszählungen und Kirchenbüchern, genutzt haben um Juden aufzuspüren und zu ermorden. Damals noch mithilfe von Karteikarten. Heute wäre das wieder durch ein Download einer Databroker-Datei in Kombination der Auswertung eines LLMs möglich, aber heute kann dass ja nicht mehr passieren, denn die Menschen haben erkannt, dass Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, absolut irrational sind und in unserer Gegenwart keine Rolle mehr spielen, oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau das war die eigentliche Warnung in &amp;ldquo;1984&amp;rdquo;: Nicht dass eine Diktatur eine Überwachungsmaschine baut, sondern dass eine Gesellschaft, die sich für gefestigt hält, ihre eigene Überwachungsmaschine baut, aus Bequemlichkeit, aus Angst, aus Effizienzdenken und sie damit für jeden bereitstellt, der sie eines Tages übernehmen will. Standortdaten von Millionen Menschen, käuflich für 14.000 Dollar. Analysesoftware, die Polizeidatenbanken bundeslandübergreifend verknüpft und deren Wartung teils in den Händen eines Unternehmens liegt, das der US-Regierung nahesteht. Ein Konzern-Ökosystem, in dem persönliche Daten mit einem weggeklickten Cookie-Banner den Besitzer wechseln. Nichts davon wurde gebaut, um eine bestimmte Partei zu stärken. Aber alles davon steht bereit, sollte eine Partei mit autoritärem Programm eines Tages über die Zugriffsrechte entscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gibson, Dick und Orwell haben sich nicht geirrt, was das Ausmaß der technischen Möglichkeiten angeht, wenn überhaupt, haben sie es unterschätzt. Ihr eigentlicher Punkt war ein anderer: Die Infrastruktur der Kontrolle wird nicht dramatisch errichtet, sondern verwaltungstechnisch, Ausschreibung für Ausschreibung, Abonnement für Abonnement. Die Dystopie beginnt nicht mit dem Moment, in dem sie sichtbar wird. Sie beginnt mit dem Moment, in dem niemand mehr fragt, warum sie überhaupt gebaut wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Übrigens: In der modernen Filmadaption von 1984 - Equilibrium (2002) geht die Dystopie noch einen Schritt weiter – allen Menschen wird ein Medikament verabreicht (Prozium), das Gefühle vollständig unterdrückt. Unter dem Vorwand, keinen neuen Krieg ausbrechen zu lassen, hilft dieses zufällig auch einem autoritären Regime, seine Bürger besser zu kontrollieren. Hast du dich schon einmal gefragt, warum du stundenlang dein Gehirn an TikTok, Facebook oder Instagram fesselst? Könnte das die Droge sein, die ähnlich wirkt wie Prozium aus Equilibrium. Ist Prozium vielleicht einfach Dopamin, verabreicht durch ein Smartphone? Dazu später Mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;-Wir lesen uns, euer JohnJayMcKaye!-&lt;/p&gt;
&lt;hr&gt;
&lt;p&gt;*Quellen: &lt;a href=&#34;https://www.ardmediathek.de/video/story/gefaehrliche-apps-im-netz-der-datenhaendler/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9hYmI2NzU1NC1kMWRjLTQxZWItODk0Yi1hZjZmN2QyNDEzZTdfb25saW5lYnJvYWRjYXN0&#34; target=&#34;_blank&#34;&gt;
  netzpolitik.org/BR – &amp;ldquo;Databroker Files&amp;rdquo;
&lt;/a&gt;
; &lt;a href=&#34;https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:1cbe02958d470293/&#34; target=&#34;_blank&#34;&gt;
  Wild Wild Web – Inside Palantir
&lt;/a&gt;
; &lt;a href=&#34;https://de.wikipedia.org/wiki/1984_%28Roman%29&#34; target=&#34;_blank&#34;&gt;
  1984 Neunzehnhundertvierundachtzig - George Orwell
&lt;/a&gt;
; &lt;a href=&#34;https://de.wikipedia.org/wiki/Vernetzt_%E2%80%93_Johnny_Mnemonic&#34; target=&#34;_blank&#34;&gt;
  Vernetzt – Johnny Mnemonic - William Gibson
&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
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